Ein ungewöhnlicher Name für eine Kirche

Moritz ist ein ungewöhnlicher Name für eine Kirche. Er leitet sich von Maurituis ab. Dieser Mauritius war ein römischer Soldat im Offiziersrang. Er stammte aus Nordafrika und hatte den christlichen Glauben angenommen. Als ihm vom Kaiser befohlen wurde, die Einwohner eines Dorfes zu überfallen, verweigerte er diesen Befehl und wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Das geschah 302 nach Christus. Sein Gedenktag ist am 22. September. Im Kloster Sankt Maurice im Wallis liegen seine sterblichen Überreste. Die katholische Kirche verehrte ihn schließlich als Heiligen.
Aber wie kommt sein Name nach Taura?
Moritz ist der Schutzpatron der Soldaten, aber auch der Kaufleute. Die Ostkolonisation brachte den christlichen Glauben nach Sachsen. Taura ist über 750 Jahre alt. Also waren Ritter Richtung Meißen oder Kaufleute Richtung Dresden und noch weiter gen Osten unterwegs, die eine kleine Wegkapelle ihrem Schutzpatron widmeten, die später zur Kirche erweitert wurde.
Die heutige Wetterfahne auf dem Kirchturm zeigt als Attribute des Heiligen Mauritius Schwert und Lanze. Und auch die von Thomas Heinrich aus Taura 2016 geschnitzte Figur zeigt den aus Nordafrika stammenden Ritter mit seinen Waffen.
Wie alt ist unsere Kirche genau?
Die Urkunde über die Grundsteinlegung lag im Staatsarchiv in Dresden und ist beim Bombenangriff 1945 dort verbrannt. Die Kirche hat im Inneren aber zwei in die Mauer eingelassene Tabernakel bzw. Sakramentshäuschen. Diese weisen eindeutig in die Zeit vor der Reformation und die große Glocke trägt sogar die Jahreszahl 1492 in ihrem Bronzeguß.

Die Glocken im Kirchturm
Neben der großen Glocke befinden sich noch drei weitere Glocken im Turm. Eine stammt aus Quatitz bei Bautzen und hat neben einem Bibelspruch auf deutsch auch eine Formulierung auf sorbisch aufzuweisen.
Im Krieg mussten die Glocken abgegeben werden. Sie blieben vor dem Einschmelzen verschont und wurden auf dem Hamburger Glockenfriedhof schließlich wiedergefunden und 1949 nach Taura zurückgebracht.
2008 wurde der Stahlglockenstuhl durch einen aus Eichenholz ersetzt.

Zauber zur Mittagszeit

Fünf farbige Bleiglasfenster schmücken unsere Kirche. In der Sakristei ist die Lutherrose abgebildet. An der westlichen Turmseite wurden 1937 zwei Fenster von Paul Hoppe gestiftet. Sie zeigen das Kinderevangelium, also wie Jesus die Kinder segnet. Das zweite Fenster zeigt, wie Jesus bei den Schwestern Maria und Martha einkehrt. Während Maria zuhört, hat Martha viel Arbeit, um den Gast zu bewirten.
Neben der Kanzel sind zwei Fenster zu sehen, die von dem Dresdner Künstler Karl Schulz entworfen und 1922 von den Landwirten der Gemeinde gestiftet wurden. Sie zeigen Motive aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel. Die Fenster wurden im Jahr 2000 von außen isothermisch verglast, um sie vor Umwelteinflüssen besser zu schützen.
Ihre volle Schönheit lässt sich in der Mittagszeit bewundern, wenn die Sonne die Farben der Glasscheiben zum Leuchten bringt.




Ein ungewöhnlicher Ort für eine Orgel
Ungewöhnlich ist, dass sich die Orgel über dem Altar befindet. Grund dafür ist der in das Kirchenschiff integrierte Turm, dessen massiver Mauerfuß im Kirchenschiff steht.
Die Orgel stammt aus dem Jahre 1922 und wurde von der Firma Schmeißer in Rochlitz erbaut. 2012 wurde sie generalüberholt. Sie hat weit über 1000 Pfeifen sowohl aus Holz als auch aus Zinn. Die sichtbaren Pfeifen im Orgelprospekt dienen als Schmuck.
Das Gebläse, das von einem Motor betrieben, den Blasebalg aufbläst, wurde 1994 erneuert. Die Trittbretter und Haltestangen, die früher den Konfirmanden dienten, um mit Muskelkraft diese Arbeit zu verrichten, sind auf dem Kirchenboden noch vorhanden.





Ein Altarraum im Wandel
Unsere Kirche besaß ursprünglich einen spätgothischen Flügelaltar mit geschnitzten und bemalten Figuren. Dieser wurde aber nach einer großen Umgestaltung der Kirche 1860 der Herrschaft von Schönburg geschenkt und befindet sich heute, schön renoviert, im katholischen Familienzentrum St. Ursula in Naundorf bei Struppen in der Sächsischen Schweiz.
Unsere Kirche ist, wie fast alle Kirchen, geostet, also zur aufgehenden Sonne hin ausgerichtet, die als Symbol für den am Ostersonntag auferweckten Christus hinweist.



Schätze hinter dem Altar
Neben dem hölzernen Taufstein, der aus Herrnhut stammt, befindet sich hinter dem Altar noch ein klassizistischer Taufstein aus Porphyr. Er stammt aus dem Jahre 1795.
Und an der Wand des Ostchores befindet sich noch eine Glocke von 1595. Sie wurde in Burgstädt gegossen. Unser Ortsname Taura ist in einer langen lateinischen Inschrift mit enthalten. Wohl die älteste Namensnennung unseres Ortes auf einem Gegenstand.


Kunst in der Kirche

Einige Bilder sind auch in der Kirche zu entdecken. Gleich im Eingang befindet sich ein Wandgemälde. Es zeigt einen Bauern bei der Aussaat, der inne hält, um ein Mittagsgebet zu sprechen. Das Gleichnis vom vierfachen Acker lässt sich hier entdecken. Der Same, das Wort Gottes, fällt auf unterschiedlichen Boden. Dort, wo der Same aber aufgeht, bringt er viel Frucht.

Über dem Altar fällt das in Blautönen gehaltene Bild auf, dass Jesus nach seiner Auferstehung zeigt, als er den beiden Jüngern, die nach Emmaus fliehen, das Brot bricht und so an seine Feier des letzten Abendmahles in Jerusalem erinnert.
Das Deckengemälde stammt von Johann Tobias Perthes. Es wurde 1697 gemalt. Die Szene zeigt das Endgericht. Jesus als Weltenrichter urteilt über unser Tun und Lassen.


Unter dem Turm hängt das größte Gemälde. Es zeigt eine Karfreitagsszene mit der Kreuzigung Jesu. Unter dem Kreuz steht wohl Johannes und Maria von Magdala kniet davor. Der ehemalige Tauraer Kaufmann Krämer hat als Autodidakt dieses Bild unserer Kirche vermacht, das ganz im Stil der dreißiger Jahre gehalten ist.
Ein kleines Bild befindet sich im Aufgang zur Empore. Es zeigt den Moment, als die Glocken nach dem Neubau des Glockenstuhles, wieder mit einem Kran in den Turm gehoben werden. Das Bild verdanken wir Falko Dörfler aus Köthensdorf.
